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Wer hat den Kuckuck gehört?

Posted on 6. Januar 20269. Januar 2026

Foto oben (© NABU): Ein Schwarzkehlchen attackiert ein Kuckucksmännchen, die Kleinvögel sind auf der Hut!

Hans-G. Dierks

Cuculus canorus nannte vor 200 Jahren der schwedische Naturforscher Linné den Europäischen Kuckuck lautmalerisch. Bis heute ist es bei diesem lateinischen Namen geblieben, der auch beschreibt, dass der Vogel als Sänger (canorus) unterwegs ist. Um den Kuckuck ranken sich seit jeher viele Mythen, Gedichte, Lieder und Geschichten. Der spezielle Lebensstil des Vogels ist im Tierreich weit verbreitet. Es gibt weltweit 150 verschiedene Kuckucksarten, alle leben parasitär.

Aber auch im Insektenreich ist es bei den deutschlandweit 570 einheimischen Wildbienenarten (incl. Hummeln) normal, dass ein Drittel aller Wildbienenarten parasitär lebt, d.h. sie legen ihre Eier in den Pollen- und Nektarvorrat der anderen Wildbienen ab und vertrauen so ihre Nachkommen ohne eigene Sammelleistung anderen Bienen an. Kuckuckshummeln und Kuckucksbienen sind eine verbreitete Spezies, die es auch in Stapelholm gibt.

In diesem Aufsatz geht es um einen anderen Ansatz: Es soll versucht werden, den etwa 100 Gramm schweren Kuckuck, der überall bekannt ist, den aber nur wenige zu Gesicht bekommen, in seinen numerischen Beziehungen zur Stapelholmer Landschaft und zu seinen Wirtsvögeln darzustellen. 3.200 Hektar umfasst meine Untersuchungsfläche im Jahr 2025 rund um Stapel, die eine Vielzahl von Landschaftselementen und Biotopen aufweist und somit eine reiche Kleinvogelwelt beherbergt. Da trifft es sich gut, dass ich täglich mit dem Fahrrad in der Natur viele Kilometer unterwegs bin und schon in der Frühe die ab Mai ersten Rufe des Kuckucksmännchens registrieren kann. Mein erster Lernerfolg war, dass eine Stunde vor Sonnenaufgang die Rufaktivität deutlich intensiver ist als z.B. am Nachmittag. Bei schlechtem Wetter hält sich der Vogel stimmlich spürbar zurück. Für den Monat Juni konnte ich 170 Datensätze „Kuckucksruf“ registrieren, dazu kommen noch die Hinweise von Jägern und Naturfreunden, die immer ergänzend wertvoll sind.

Verteilung der 14 Kuckucksreviere 2025 auf 3200 ha der Gemeinde 25879 Stapel, schematische Darstellung, einige Reviere streifenförmig
Verteilung der 14 Kuckucksreviere 2025 auf 3200 ha der Gemeinde 25879 Stapel, schematische Darstellung, einige Reviere streifenförmig.
(Kartengrundlage: © OpenStreetMap)

Zuweilen höre ich das Weibchen mit seinem weithin hörbaren Trillern, das angeblich potentielle Wirtsvögel abschrecken soll bzw. laut Literatur auch nach der Eiablage ertönt. Das Trillern, die Färbung des Vogels und die Silhouette des Kuckucks ähneln dem des Sperbers und deshalb werden die Wirtsvögel nervös und verlassen das Nest: das Weibchen kann sich einen Blick in das angepeilte Nest verschaffen und den Legestatus feststellen.

Aber fangen wir etwas systematischer an: Die Balzrufe des Männchens tragen über 1,5 km weit und so ist es mit der Zeit möglich, die verschiedenen Reviere der einzelnen Kuckucksmännchen zu lokalisieren. Wenn ich mich auf den gängigen Wegen mit dem Rad rund um Stapel in der gesamten Gemarkung bewege, durchfahre ich auf einer 10 km langen Tour je nach Himmelsrichtung mindestens 5 bis 8 Reviere. Der Vogel ruft keineswegs ausdauernd. Es ist schon etwas Glück dabei, ihn zu hören, aber die Summe der Rufe markiert das Revier. Tägliche Eintragungen in eine Karte runden mit der Zeit das Bild ab und ergeben eine schlüssige Vorstellung von der Lage der einzelnen Reviere. In der Tat „kennt“ man schon recht bald die einzelnen Rufer und erwartet sie mit ihren Rufen, die überwiegend nur kurz erklingen. Kuckucksreviere können laut ChatGBT bis zu 300 Hektar groß sein – müssen es aber nicht, wenn das Angebot an Kleinvogelnestern groß genug ist. In dieser Untersuchung habe ich viele deutlich kleinere Reviere von um die 50 Hektar gefunden und ähnliches gilt auch für die Weibchen. Letztlich können in dieser Frage nur besenderte Vögel korrekt die Reviergröße vermitteln. Dies ist aber ein Aufwand, der mir nicht zugänglich war.

Das Geschlechterverhältnis beträgt 1:1, auf jedes Männchen kommt damit statistisch auch ein Weibchen. Häufig sind die Reviere der Geschlechter, die vehement gegen das gleiche Geschlecht verteidigt werden, identisch. Es bleibt also die Aufgabe, die Anzahl der Reviere rund um Stapel festzustellen. Nach mehreren Wochen der intensiven Höranalyse komme ich für das Jahr 2025 auf 14 Rufer und damit 14 Männchen und 14 Weibchen. Im Brutatlas der Vogelwelt Schleswig-Holsteins wird für Stapelholm im Jahr 1996 ein Mittelwert von 39 Revieren pro 10 Tsd ha festgestellt, mit den registrierten 14 Revieren auf 3200 ha liege ich also nicht verkehrt.

Die Kuckuckspopulation in Schleswig-Holstein ist erstaunlich stabil und reflektiert damit auch stabile Verhältnisse bei den vielfältigen Wirtsvögeln.

Laut Literatur paart sich das Männchen mit mehreren Weibchen, und die Weibchen suchen ihrerseits auch mehrere Hähne auf. Aber eine Pärchen-Bildung existiert nicht, der Kuckuck bleibt lebenslang Single! Dann geht es an die reproduktive Arbeit, die primär darin besteht, Nester der Art, auf die das suchende Weibchen genetisch fixiert ist, zu finden. Das heißt, Weibchen A sucht nur Rohrsängernester (Schilf-, Sumpf- und Teichrohrsänger) und hat damit schon mal Glück. Denn Rohrsänger gibt es in vielen Bereichen rund um Stapel, sie gehören zu den wirklich häufigen Kleinvögeln der offenen Landschaft. Es stehen also drei im Prinzip optisch und akustisch nur schwer unterscheidbare Rohrsängerarten im Focus, und der Schilfrohrsänger ist deutlich am häufigsten. Im Süderstapler Westerkoog gibt es mindestens 100 Reviere (Dr. Jeromin, Dierks 2010) dieser Art, und im Treene- und Sorgekoog sind die Bestände vergleichbar hoch. Das Weibchen A möchte so viele Eier wie möglich platzieren, muss aber darauf achten, dass im Nest der bevorzugten Art schon 3 bis 4 Eier liegen, bevor sie ihr eigenes, etwas größeres Ei ablegt. Damit ist die tägliche Routine neben dem Fressen von Insekten vorgegeben: Das Kuckucksweibchen muss ständig die Nester und die im Brutgeschäft agierenden Rohrsänger beobachten und auf die passende Gelegenheit zur Eiablage warten. Das ist ein Geduldsspiel der besonderen Art. Wenn das sich in Sicherheit wähnende kleine Rohrsängerweibchen das Nest verlässt, kommt das im Verhältnis riesige Kuckucksweibchen und legt ein (für sein Körpergewicht) winziges Ei ins Nest. In Farbe und Größe harmoniert das Kuckucksei mit den schon vorhandenen Eiern. Und damit die Gesamtzahl stimmt, schnappt sich das Kuckucksweibchen noch schnell ein Rohrsängerei aus dem Nest und frisst es auf. Die Anzahl der abgelegten Kuckuckseier liegt im Mittel laut Literatur bei 5 bis 6 Stück. Es werden also durchschnittlich 5 bis 6 Nester mit einem Kuckucksei belegt.

Am östlichen Ortsrand von Süderstapel liegt die Gemarkung „Sätje“, das ist eine 50 ha große Grünlandfläche, die durch etwa 10 km üppig bestockte Knickwälle in 20 Parzellen geteilt ist. Durch Untersuchungen an Erfder Knicks (Lugert, 1996) und eigene Feststellungen kann man von 20 Vogelrevieren pro km Knick ausgehen – und damit von 200 Vogelnestern für Sätje. Die sind für den Kuckuck aber nicht alle geeignet, denn z.B. in Amsel-, Singdrossel-, Ringeltauben- und Rabenkrähengelegen sind die Eier viel zu groß, das kleine Kuckucksei würde gleich auffallen und entfernt werden. Andere Vögel wie Star, Kohl- und Blaumeise und Baumläufer brüten in Höhlen, die der Jungkuckuck von seiner Größe her nicht mehr verlassen könnte, er wäre gefangen und müsste verhungern. Bodenbrüter wie Goldammer, Fitis und Zilp-Zalp, in deren Nester der massige Jungkuckuck schnell zum Opfer von Marder und Katzen würde, werden auch nicht parasitiert. Also reduziert sich das Angebot auf die Hälfte der Arten. Die dafür noch in Frage kommenden Bachstelzen, Gelbspötter, Stieglitze, Hänflinge, Buchfinken, Rotkehlchen, Heckenbraunellen und Grasmücken tragen die Last, den der Brutschmarotzer verursacht. Gemäß der genetischen Prägung sucht sich nun das Kuckucksweibchen B seine bevorzugten Kandidaten und lässt den aufmerksamen Beobachter durch einen glucksenden Triller wissen, dass es wieder einmal mit der Eiablage geklappt hat. In einer reinen Knicklandschaft kann ein auf Rohrsänger geprägtes Kuckucksweibchen natürlich nichts ausrichten, weil es hier keine Rohrsänger gibt. Es wird weiterziehen und in der offenen Landschaft in den Feuchtgebieten sein Glück versuchen.

Amseleier sind deutlich größer und fast doppelt so schwer wie Kuckuckseier, obwohl die Vögel in etwa gleich viel wiegen. Die vorliegende Aufnahme wurde mit Photoshop konstruiert, damit das Phänomen der Eigröße deutlich wird. Bei den kleinen Wirtsvögeln fällt das Kuckucksei nicht besonders auf, es ist in den meisten Fällen nur minimal größer. Foto © Sönke Dierks

Die Nahrung des Kuckucks besteht zum großen Teil aus behaarten und häufig beim Menschen Allergien auslösenden großen Raupen. Die Raupen sieht man nach der Überwinterung in den Moor- und Grünlandgebieten im Mai und Juni z.B. häufig auf den Plattenwegen. Sie ernährten sich im Vorjahr von Gräsern und verwandeln sich ab Juli in Nachtschmetterlinge um.

Nach 12 bis 13 Tagen Brutzeit schlüpft der kleine Kuckuck und macht sich umgehend daran, die Eier des Wirtsvogels aus dem Nest zu werfen. Mit dem Rücken bugsiert er geschickt die störenden Eier oder Nestlinge aus dem Nest und die leiblichen Vogeleltern schauen ungerührt zu, wenn ihre Nachkommenschaft vernichtet wird: Ein derartiges Verhalten ist nicht in ihrem genetisch fixierten Verhaltensrepertoire vorgesehen.

Nach einigen Wochen haben die unfreiwilligen Kuckuckseltern so viel an Insekten verfüttert, als wenn sie ihre eigenen 5 Küken aufgezogen hätten. Bei Kleinvögeln (z.B. Rauchschwalben) ist es normal, dass etwa 1 kg Insekten zur Aufzucht von 5 Küken benötigt werden, somit verschlingt der kleine Kuckuck auch 1.000 Gramm Raupen und Fluginsekten bis zum Verlassen des Nestes. Es wird geschätzt, dass 30 % der Kuckucksküken im Nest dem Wetter oder Prädatoren zum Opfer fallen. Der gleiche Abgang ist in der Zeit bis zum Abflug nach Afrika zu verzeichnen. Die jungen Kuckucke fliegen im August alleine in Richtung Süden – auch diese Migration kostet vielen Jungvögeln das Leben. Die über 700 km langen Stellnetze zum Vogelfang entlang der Küste von Ägypten und Libyen fordern zahllose Opfer zum Beginn der Reise in das Winterquartier in Zentralafrika (Schulz, Heins, 2013). Die Überquerung der Sahara im Nonstopflug in großer Höhe und alleine dauert 30-35 Stunden und wenn die Fettpolster als Energiespeicher nicht ausreichen, ist die Reise für immer beendet. Aber etwa 10 Prozent von den geschlüpften Kuckucksküken werden im nächsten Jahr hier im Brutgebiet wieder auftauchen, der Rest ist umgekommen. Die erfahrenen Altvögel, die schon Ende Juni bis Anfang Juli abfliegen, unterliegen einer geringeren Sterberate. Sie beträgt etwa 25 Prozent pro Jahr, und diese Lücken in der Population werden durch die zurückkehrenden (wenigen) Jungvögel geschlossen.

Der Jungkuckuck wiegt am Ende seiner Aufzucht soviel wie fünf der Wirtsvögel.
Foto © NABU

Als Fazit bleibt von diesem bemerkenswerten Vogel festzuhalten, dass in den 14 Kuckucksrevieren rund um Stapel um die 54 Jungvögel aufwachsen und dann 38 Jungkuckucke im August Stapel Richtung Zentralafrika in der Nacht verlassen. Im nächsten Jahr kommen davon rund sieben oder acht gesund wieder, um erneut im endlosen Kreislauf des Lebens mitzuwirken.

Nachzutragen bleibt, dass die Kuckuckspopulation in Schleswig-Holstein bislang keine Einbrüche wie z.B. bei der Feldlerche erlebt hat. Die Ergebnisse von „Monitoring der Normallandschaft“ zeigen sehr überzeugend die Entwicklung beim Kuckuck in den letzten 20 Jahren auf.

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